• Lohweg 11 30559 Hannover Germany Tel:+49511283740 Fax:+495112837430

Manipur – ein Land der Extreme.

Seit 2013 unterstützt inter-mission deutschland ein dorfprojekt für kinder aus mehreren bergdörfern im bundesstaat manipur, ganz im nord-osten indiens. Dazu gehören eine schule und ein kleines kinderheim.

Fährt man von Assam in Richtung Manipur, fällt der Blick unweigerlich auf die bewaldeten, schier unendlichen grünen Bergketten. Erneut bringt mich die pure Pracht der Landschaft zum Staunen. Die extreme Schönheit der Natur zeigt sich in nie zuvor gesehenen Blumen und Tieren, im Gesang der Vögel und in der Klarheit des Sternenhimmels.

Doch schnell fällt auf, wie extrem schlecht die Wege nach und in Manipur sind. Streckenweise fragte ich mich, ob es unser Fahrzeug überhaupt über die schmalen, meist von Allrad-Fahrzeugen durchpflügten Feldwege schaffen würde. Zum Glück hatte es an unseren Reisetagen nicht geregnet, sonst wären wir überhaupt nicht durchgekommen.

Bei unserer Ankunft in den Dörfern auf dem Bergrücken beeindruckte mich die extreme Gastfreundschaft. Vertreter der drei Gemeinden warteten schon auf uns und hießen uns willkommen. Im Laufe des Tages tauchten immer wieder Dorfbewohner mit Früchten auf, um uns zu begrüßen. Abends saßen wir in einer der verrauchten Küchen oder im Wohnzimmer zusammen und wurden mit den besten Speisen bewirtet, die sie auftreiben konnten.

Dabei ist jedoch die extreme Armut der Menschen nicht zu übersehen. Das Leben in den Dörfern ist sehr primitiv. Man ernährt sich von den Früchten und Tieren des Dschungels, selbst von Spinnen, und von dem, was mit viel Mühe auf den bewirtschafteten Feldern mehrere Kilometer vom Dorf entfernt angebaut werden kann. Insgesamt gibt es nur wenige Erwerbsmöglichkeiten. Der Reisanbau gewährleistet bei unsicherer Ernte keine verlässlichen Einkünfte. Lohnenswerter ist der Anbau und Verkauf von Orangen. Dieses Jahr jedoch sind alle Orangenbäume der Region eingegangen, was ein großer Verlust war. Die staatlich verordnete Arbeit durch Ausbesserung von Straßen oder ähnliche Projekte bietet eine weitere Einnahmequelle. Doch der zugesicherte Lohn versickert fast zur Hälfte in Kanälen der Korruption, die Dorfbewohner erhalten nur noch den kümmerlichen Rest.

Als wir die Eltern der Kinder aufsuchten, die zusammen mit den von uns unterstützten Kindern zur Schule gehen, stellte sich schnell heraus, dass sie das ausstehende Schulgeld, monatliche Beträge zwischen Rs.140 -170 (€ 2,00 – 2,30), nicht aufbringen konnten, weil sie immer noch auf ihren Lohn vom Staat warteten. Offenbar hatten etliche Eltern ihre Kinder aufgrund dieser Situation während des laufenden Schuljahres aus der Schule genommen.

Beim Besuch in den Häusern fiel mir auf, dass viele Familien extrem groß sind. Nicht selten gehören bis zu 10 Kinder dazu, denn hier ist die Familie die Sicherheit für das Alter. Häufig werden die Kinder jedoch vernachlässigt. Gehen die Eltern früh am Morgen auf die Felder, bleiben die Kinder Zuhause sich selbst überlassen. So bald sie alt genug sind, müssen sie zum Lebensunterhalt beitragen und im Dschungel und auf den Feldern mitarbeiten. Familienplanung ist nahezu unbekannt, es fehlt an angemessener Aufklärung und etliche Frauen trugen beim Versuch, eine Schwangerschaft abzubrechen, gesundheitliche Schäden davon.

Beim abendlichen Zusammensein in den Hütten kam ein wichtiges Thema immer wieder zur Sprache: die extrem schlechte medizinische Versorgung. Es gibt zwar ein von der Regierung eingerichtetes Sanitätshaus aber in keinem der Dörfer einen Arzt. Bei Notfällen muss man sich auf den Weg ins entfernte Jiribam machen. Und auch dort ist die medizinische Versorgung recht dürftig. Während meines Aufenthalts in den Bergen hörte ich von zwei Todesfällen. In den letzten Monaten starben drei Frauen bei der Geburt eines Kindes. – Wer von den Zeme, dem hier vorherrschenden Volksstamm, Medizin studierte und Arzt wurde, hat sich an anderer Stelle niedergelassen, weil in den Dörfern kein Geld zu machen ist.

Auch die Schulsituation ist in der Bergregion extrem schwierig. Immer wieder hörte ich, dass die an sich schon seltenen Schulen in den Dörfern schlecht geführt werden. Den Lehrern mangelt es an Motivation, den Kindern das nötige Wissen zu vermitteln. Die SHINE Schule möchte dazu eine Alternative bieten, deshalb ist sie sehr beliebt bei den Eltern. Da sie jedoch häufig das Schulgeld nicht aufbringen können, schicken sie ihre Kinder irgendwann einfach nicht mehr zur Schule. Der Unterricht in der SHINE School findet im Gegensatz zu den anderen Schulen regelmäßig statt. Aber auch hier besteht der Bedarf, die Lehrer besser auszubilden, damit sich der Lehrplan vom üblichen Auswendiglernen des Stoffes verstärkt auf ein kognitives Lernen konzentriert.

Geistliche Herausforderungen

Vor Jahrzehnten wandten sich die Menschen hier von ihren heidnischen Religionen dem christlichen Glauben zu. Manche Gewohnheiten und Bräuche wurden allerdings beibehalten und an die Kinder weitergegeben wie z.B. das Kauen von Rauschmitteln. Die Gemeinden sind sehr in Traditionen verhaftet und die Gläubigen scheinen mehr Wert darauf zu legen, eine wichtige Position inne zu haben als ihr Leben nach dem Wort Gottes auszurichten. Die gesamte Bibel ist erst seit zwei Jahren in ihrer Sprache verfügbar, allerdings können viele aufgrund mangelnder Bildung nicht lesen. Insgesamt fehlt es an klarer Lehre und Mut, sie im Alltag umzusetzen. Aber es gibt hier auch geistlichen Hunger. Nachdem ich zwei Tagesseminare über Kindererziehung halten konnte, bedankten sich viele, dass ich das Thema aus der Sicht der Bibel beleuchtet hatte. Ermutigend war für mich auch die große Anzahl der Gläubigen, die sich trotz ihrer täglichen Arbeit die Zeit genommen hatten.

Wir haben hier das Vorrecht die Kinder zu unterstützen, ihnen eine schulische Ausbildung zu ermöglichen und darüber hinaus die Liebe Gottes zusammen mit der Begeisterung für sein Wort nahe zu bringen. So wollen wir helfen, den Glauben der Menschen in diesen Dörfern neu zu beleben und ihnen Hoffnung und Lebensperspektive zurückzubringen.

Bitte beten Sie mit für diesen Dienst!